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Aufräumen zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel kann man gute Vorsätze für das kommende Jahr fassen, etwas neu beginnen - oder auch die Gelegenheit nutzen, alte Zöpfe abzuschneiden. Manchmal kam es bei mir zu ersterem; so haben wir vor drei Jahren (etwas ungeplant) den kompletten Keller auf- und umgeräumt (ein großartiges Ergebnis, immer noch; nur die Aufgabe selbst hat keinerlei Spaß gemacht und den Großteil einer Urlaubswoche gefressen). Oft habe ich letzteres getan, so beim Großputz der Mailinglisten und Newsletter vor 7 Jahren (dieses Jahr war nicht viel zu putzen, erfreulicherweise; ich scheine nicht mehr diverse Mailinglisten und Dutzende Newsletter zu abonnieren, die ich dann doch nicht lese), oder der Abschaltung einer Webpräsenz, die seit einem Jahrzehnt überholt war.

Und so war es auch dieses Jahr.

Vor 21 Jahren habe ich meine damaligen Webpräsenzen von Strato zu 1&1 Puretec verschoben; das war damals technisch ein großer Schritt nach vorne. Dort hatte ich auch meine ersten “Rootserver”, aber die Angebote wurden immer weniger konkurrenzfähig für den IT-affinen Privatnutzer. Mit der Zeit wurden auch diese ersten Webpräsenzen immer weniger wichtig, die Dienstleistung “Webhosting” immer billiger, “Rootserver” erschwinglich und dann immer billiger; die Preise für den Hostingaccount blieben aber gleich bzw. stiegen. Aus 17,- € wurden mit der Zeit 25,- € - monatlich, für ein paar GB Webspace, einige Datenbanken, Postfächer und das übliche Drumherum; zunehmend Zeugs wie Webseitenbaukästen, One-Click-Apps, Webshops und Suchmaschinenoptimierung. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem ich einerseits mehrere eigene Server zur Verfügung hatte und andererseits keine der Webpräsenzen noch wirklich in Betrieb war. 2012 bin ich dann zu einem günstigeren Tarif gewechselt und hatte das Thema mental ausgeblendet. Ab und an habe ich einige dieser alten Webpräsenzen deaktiviert und dann die verbleibenden statischen Platzhalter auch umgezogen und dabei die Domains zu mir wegmigriert, mir sonst aber keine Gedanken gemacht - außer dem Eintrag auf der immerzu wachsenden ToDo-Liste, irgendwann[tm] mal alles zu archivieren und/oder zu migrieren.

Dieser Tage habe ich die eintrudelnde Rechnung mal nicht nur ins papierlose Büro wegarchiviert, sondern gelesen. Dabei wurde ich nicht nur daran erinnert, dass für mehrere Präsenzen PHP-Legacy-Support gebucht ist, sondern auch, was das kostet. Dieser PHP-Legacy-Support ist grundsätzlich eine tolle Sache: 1&1 bietet gepatchte alte Versionen von PHP an, d.h. patcht Sicherheitsprobleme, und zwar zurück bis PHP 4. Meine alten Präsenzen wurden unter PHP 3 und PHP 4 entwickelt, und das zu einer Zeit, wo ich davon nicht viel Ahnung hatte; sie setzen daher mehrheitlich auf aktiviertes register_globals, also darauf, dass alle als URL-Parameter oder per POST übergebene Variablen in den globalen Kontext importiert werden. Das ist bequem, aber natürlich unter Sicherheitsgesichtspunkten ein Horror, insbesondere wenn nicht wirklich jede Variable vor der ersten Verwendung initialisiert wird; und das ist natürlich regelmäßig nicht der Fall, denn das wäre ja auch aufwendig. Seit PHP 4.2 ist register_globals standardmäßig deaktiviert, seit PHP 5.4.0 weggefallen; und mit späteren Versionen hat sich noch vieles andere geändert. Insofern war ich ganz dankbar, dass ich bei 1&1 weiter PHP 5.2 verwenden konnte. Andere Präsenzen standen auf PHP 7.2; das ist allerdings inzwischen auch aus dem Support heraus. Ich zahlte also zweimal für PHP-Legacy-Support - und zwar fast 8,- € pro Monat! Statt 10,- € kosten mich die Webpräsenzen dort, die praktisch nicht genutzt und weitgehend auch für Zugriffe gesperrt sind, weil sie primär Erinnerungszwecken dienen, jeden Monat 25,- €. Das muss nicht sein.

Zuerst habe ich also die seit 2008 deaktivierten Webseiten der ehemaligen Newsgroup de.talk.jugend, nämlich dtju.de, archiviert, und zwar als statische Kopie. Ein sehr praktisches Tool dafür ist der HTTrack “website copier”, der auch dynamische Seiten (also bspw. Profilseiten, die je nach übergebenem Parameter etwas anderes anzeigen) statifizieren kann, und zwar so, dass die Links funktionsfähig bleiben. Das dauert freilich, weil allen Links gefolgt wird, und bevor das möglich war, musste bzw. wollte ich die Anmeldung herauspatchen; und dann brauchte es einen zweiten Anlauf, weil manches doch schon nicht mehr richtig funktionierte. Danach sah das aber alles weitgehend gut aus. Also die statische Fassung hochladen, Basic Auth davor, eine Platzhalterseite, ein paar Mailadressen einrichten, DNS-Einträge ändern, die Config anpassen, Zertifikate von Let’s Encrypt, testen, fertig.

Der nächste Schritt war der Umzug der Webseiten der JUH Neustadt/Weinstraße, die ich bis 2007 (!) gepflegt hatte. Da gab es schon lange eine Platzhalterseite; die ehemaligen Seiten hatte ich auf eine Archiv-Subdomain umgezogen, die internen Bereiche auf eine andere Subdomain. Das … lief nicht so gut. Offensichtlich hatte 1&1 nämlich doch vor einiger Zeit register_globals deakitiviert, so dass viele Links nicht mehr funktionsfähig waren und daher auch nicht “kopiert” werden konnten. Meine Versuche, das Problem zu beheben, machten es nur schlimmer … bis ich gemerkt habe, dass ich offenbar bereits vor einiger Zeit (den Dateidaten nach um 2012 herum) die im Echtbetrieb befindlichen Scripts gepatcht hatte, aber nicht den Sourcecode daheim auf der Platte. (Nein, die Webseiten sind die einzigen, die nicht unter Versionskontrolle stehen. Als ich 2010 mit Git angefangen hatte, war schon klar, dass daran nichts mehr zu tun sein wird.) Glücklicherweise bietet 1&1 inzwischen an, Dateien einzeln aus den Backups der letzten 5-7 Tage zurückzusichern. Das habe ich dann also getan, sie danach heruntergeladen, angepasst und wieder hochgeladen. Das brauchte mehrere Iterationen, bis die meisten Funktionen wieder lauffähig waren; für alle Funktionen hatte ich, ehrlich gesagt, keine Geduld mehr. Dann erneut (ich glaube, zum vierten Mal), HTTrack laufen lassen, und auch diese Archivseite war bereit. Also alles auf meinen Server hochladen, Basic Auth vorschalten, Web- und Mailserver konfigurieren, durch Anpassung der lokalen hosts-Datei unter Windows testen; DNS-Einträge vorbereiten, die Domain von 1&1 wegziehen (das geht binnen Minuten, sehr angenehm), alles nochmal testen und dann Zertifikate von Let’s Encrypt holen, wieder testen, fertig.

Danach konnte ich dann das PHP für die verbliebene Präsenz schlicht auf 7.4 umschalten und dann die beiden Supportverträge kündigen. Jetzt wird der nächste Schritt vermutlich sein, den Vertrag auf das günstige Angebot von 1&1 umzustellen, bis ich auch die letzten Dienste migriert habe. 10,- € für 5 GB Webspace, 5-10 Datenbanken, 6 Domains und 500 Mailpostfächer (wer braucht 500 Postfächer?!) macht heute nicht mehr viel Sinn; da zahle ich künftig doch lieber 4,- € für 50 GB, ebenso viele Datenbanken, 1 Domain (mehr ist da eh nicht mehr) und 1 Postfach, wenn das klappt.

Alles in allem hat mich das den Gutteil eines Tages gekostet, aber damit ist wieder ein alter Zopf abgeschnitten. Gut so.

Titelbild © Minerva Studio - stock.adobe.com

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