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Man muss auch loslassen können

Meine spärliche Freizeit teile ich schon lange, vielleicht zu lange auf viele, vielleicht zu viele Hobbys und Projekte auf; und demzufolge gibt es immer etwas, was ich eigentlich schon lange, lange einmal angegangen sein wollte. Und trotz aller Erfolge wächst die Projektliste eher als sie schrumpft.

Außerdem fällt es mir manchmal schwer, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass manche Dinge sich einfach überlebt haben und ich sie loslassen sollte - insbesondere dann, wenn ich sowieso keine Zeit dazu finde. Und so habe ich dieser Tage eine meiner ältesten Websites (neben meiner Homepage, natürlich) endlich aufgegeben.

KRG-online war ein 1998 begonnenes Angebot für Ehemalige meiner alten Schule, um auch nach dem Abitur weiterhin in Kontakt miteinander - und auch mit Freunden und Bekannten aus anderen Jahrgängen - bleiben zu können. Es sollte für jeden (ehemaligen) Schüler die Möglichkeit bestehen, einen Steckbrief mit persönlichen Daten einschließlich verschiedener Adressen (Heimat und Studienort oder Wohnung und Arbeistplatz), telefonischer Erreichbarkeiten, Mailadressen und Webseiten, Freitextfeldern für einen Lebenslauf und persönliche Bemerkungen und ein Foto online zu stellen.

KRG-online.de anno 2001.

Die erste Fassung bestand aus von Hand gepflegten HTML-Seiten und stand ungeschützt im Netz; daran dachte man damals noch nicht so wirklich. Ab 2002 und vor allem nach einer erneuten Überarbeitung 2004 gab es dann eine datenbankgestützte PHP-Anwendung mit persönlichen Logins und der Möglichkeit, den eigenen Datensatz selbst zu pflegen (und auch Fotos hochzuladen und wieder zu löschen), eine Mailingliste, eine Linksammlung von Webseiten der Abiturjahrgänge und einen Terminkalender; optisch war die Seite an Farbe und Design der damaligen Schul-Homepage angepasst.

KRG-online.de anno 2008.

Danach teilte die Seite das Schicksal der meisten anderen meiner Webprojekte aus Studien- und Ausbildungszeit: begonnen mit viel Elan, aber wenig Ahnung, und mit Beginn der Berufstätigkeit wurde die freie Zeit zuerst weniger und dann nochmals sehr viel weniger. Eine Überarbeitung hätte Not getan, aber es gab ja noch so viele andere Ideen, Projekte und Arbeitsfelder … und dann kam allmählich die professionelle Konkurrenz. 2002 ging StayFriends online, vorher schon Passado, seit 2005 gab es den Facebook-Clon StudiVZ (erinnert sich noch jemand daran?), 2006 folgte das gerade in Rheinland-Pfalz sehr populäre wer-kennt-wen, seit 2008 gibt es das 2004 veröffentlichte Facebook mit deutscher Oberfläche, Twitter, Instagram und überhaupt das Web 2.0. Für handgestrickte proprietäre Dienste, die letztlich nur ein Adressverzeichnis ohne weitere Kommunikationsmöglichkeiten bieten, war die Zeit eigentlich vorbei.

2012 hatte ich daher alle mehr als 400 Nutzer von KRG-online angeschrieben und die mögliche Einstellung des Dienstes, vor allem aus Zeitmangel meinerseits, angekündigt - soweit es Antworten gab, stimmten die meisten mir zu, dass die Welt sich weitergedreht habe, wenngleich eine Handvoll den Dienst auch vermissen würde. Dazu passt, dass es zwar bis zum Schluss Registrierungen gab, aber aus den Abiturjahrgängen nach 2004 nur noch einzelne Versprengte - und auch für die Abitreffen meines eigenen Jahrgangs mussten wir die aktuellen Mailadressen aus anderer Quelle besorgen, weil die Daten auf KRG-online von den Nutzern nicht gepflegt wurden. 2014 habe ich den Dienst daher offline genommen und durch eine Wartungsseite ersetzt, immer in der Hoffnung, vielleicht einen neuen Anlauf starten zu können oder die Seiten einer neuen Nutzung zuzuführen, bspw. als Online-Adress-Portal des Ehemaligenvereins (der immer noch alle paar Jahre sein aktualisiertes Adressverzeichnis per Post verschickt).

Wiederum fünf Jahre später ist nichts dergleichen geschehen - und ich habe (mindestens!) vier vergleichbar große oder größere Projekte, die für mich mittlerweile höhere Priorität haben (und bei denen sich natürlich auch nichts tut). Und so nützlich es grundsätzlich auch sein mag, eine Plattform zu haben, die nicht von den dort hinterlassenen Daten lebt und auf der man seine Erreichbarkeit mit einer nur überschaubaren Personenzahl teilen kann - ehrlicher wäre es wohl gewesen, den Dienst schon 10 Jahre früher einzustellen.

Nun also: der Schlussstrich. (Immer noch etwas schweren Herzens. Aber wenigstens ist es ein optisch ansprechender Schlussstrich geworden.) :-)

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