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Goodbye, JUHMAIL

Ich bin nicht besonders gut darin, Dinge aufzugeben - aber immerhin habe ich 2019 damit begonnen, einige alte Projekte, die sich lange überlebt haben, zu beenden. Im September war das KRG-online, die Ehemaligen-Seiten meiner alten Schule (deutlich älter als Stayfriends und Konsorten), zum Jahreswechsel ist es mein wohl ältestes Projekt: die 1997 gestartete JUH-Mailingliste JUHMAIL und die zugehörigen Webseiten.

Das war fast zwei Jahrzehnte lang das Design der JUHMAIL-Webseiten.

Während der letzten Jahre meiner Schulzeit und durch mein Studium hindurch war ich sehr aktiv bei den Johannitern bzw. der Johanniter-Unfall-Hilfe, einer der großen deutschen Hilfsorganisationen, noch bevor ich online aktiv wurde. Was lag da näher, als zum Zwecke der Diskussion und Vernetzung (und nach dem Vorbild anderer Organisationen) eine Mailingliste einzurichten? Nach dem Beginn als GMX-Verteilerliste und einen Monat später im Batch-Betrieb auf dem heimischen Rechner wechselte die Liste noch im ersten Jahr ihres Bestehens auf den Majordomo-MLM meines damaligen Providers, einer Regionaldomain des Individual Network. Wiederum ein Jahr später (1999) kamen dann Webseiten hinzu, zunächst mit einer Beschreibung der Liste und einem Formular zur Anmeldung sowie einem passwortgeschützten Bereich mit (von Hand gepflegter) Mitgliederliste, Webarchiv der Mails und einem Downloadbereich für Dateien, anfänglich alles manuell betrieben. Im Verlauf der nächsten Jahre wurde das Angebot professionalisiert: Mitgliederliste, Downloadbereich, Linkliste, Terminkalender und Kleinanzeigenmarkt waren datenbankgestützt, An- und Abmeldung bei der Mailingliste funktionierten über die Webseiten, weil das für viele einfacher war als kryptische Kommandos per Mail zu schicken, und ab 2001 wurde das ganze auch optisch ansehnlicher gestaltet.

So sah die erste Version der JUHMAIL-Webseiten 1999/2000 aus.

Die Webseiten waren allerdings das Ergebnis meiner ersten Gehversuche mit PHP, und in den kommenden Jahren kamen zwar immer mal wieder Neuerungen dazu - so unter anderem eine komplette Datenbank aller Standorte der Organisation mit hierarchischer Einbindung (Ortsverband, Kreisverband, Landesverband) und der Möglichkeit, die Adressdaten, Angebote und verantwortliche Mitarbeiter (wiederum mit Adressdaten) durch den Verband selbst zu pflegen -, es gab aber - obschon oft geplant nie eine wirkliche Überarbeitung oder eine Umstellung auf einen zeitgemäßeren MLM wie bspw. Mailman. Und so alterte alles vor sich hin; im Laufe der Zeit (in den 10er-Jahren) änderten sich dann auch Nutzungsgewohnheiten und Kenntnisse der Nutzer: Mailinglisten sind heute in der Breite ein völlig unbekanntes Kommunikationsmedium.

Ich erwog zwischendurch, den Relaunch zugleich mit einer Ergänzung oder gar Umstellung des Kernmediums von einer Mailingliste zu einem Webforum zu verbinden oder gar beides miteinander (und einem Newsserver) zu kombinieren, wie bspw. im - mittlerweile ebenfalls eingeschlafenen bzw. seit 2018 abgeschalteten - Syncom-Projekt der Piratenpartei. All das dauerte aber seine Zeit, und mit den Jahren wurde mir bewusst, dass ich mittlerweile gar nicht mehr der Richtige wäre, ein solches Medium für eine Hilfsorganisation zu betreiben, bei der ich nicht mehr wirklich aktiv bin.

Der logische Schritt war daher die Abschaltung, die ich zum 31.12.2019 dann vollzogen habe.

Eine moderne Adaption des Designs für die Platzhalterseiten.

Aber jedes Ende ist natürlich auch ein neuer Anfang; so brachte die Ankündigung der geplanten Einstellung viele schöne Erinnerungen, weil seit Jahr(zehnt)en nicht mehr gehörte Aktive und Mitstreiter aus der Anfangszeit das zum Anlass nahmen, sich noch einmal zu melden, und ich habe so auch den zeitgemäßen Nachfolger meines Projekts kennengelernt: 4juh, ein auf COYO basierendes “Social Intranet”, das dankenswerterweise diesmal ein Projekt der Organisation selbst ist. Und die Ressourcen eines “Vereins” mit mehr als einer Milliarde Jahresumsatz sind natürlich ganz andere als die eines einzelnen Ehrenamtlichen. Es freut mich zu sehen, dass sie - auch - in ein zeitgemäßes Kommunikationsmedium fließen, das neben den Mitarbeitern auch die Ehrenamtlichen einbindet.

Und so hat alles auch sein Gutes.

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