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Renate Günzel-Horatz: www.penthesilea-projekt.de

Dieses Buch will Kunst sein, und es ist ein Projekt. Ersteres sieht man daran, daß die Lesbarkeit durch die fehlende Kennzeichnung wörtlicher Rede stark erschwert wird - es gibt einfach keine Anführungszeichen: Erzählung und das, was die Charaktere äußern, geht nahtlos ineinander über. Das ist avantgardistisch, es ist modern, und es geht schon nach wenigen Seiten erheblich auf die Nerven. Das Projekt dabei sind die 13 Jugendlichen, die an dem Buch mitgeschrieben, "Figuren entworfen, die Handlung kritisch hinterfragt und Ideen eingebracht" haben. Auch das sehr hip, sehr modern.

Genauso auch das Thema der Handlung: es geht ums Internet, um Chat, um die - natürlich gefährliche - Vermischung realer und virtueller Welten, um den Online-Kontakt als Ersatzbefriedigung der realiter Kontaktlosen. So abgeschmackt und archetypisch wie dieses Motiv sind dann auch die von wenig Kenntnis der Materie getrübten Einzelheiten der Handlung, soweit es um den Onlinebereich geht; es sei genug damit gesagt, dass es offenbar nur ein Chatsystem gibt, das sämtliche Personen der Handlung benutzen und in dem sie sich quasi gezwungenermaßen über den Weg laufen, weil man dort und nur dort landet, wenn man sich ins Internet einwählt und dort kommunizieren will.

Abgesehen davon ist das Buch aber tatsächlich ganz stimmungsvoll und lesenswert, gerade auch als Jugendbuch; es bewahrt eine gewisse Spannung, wer denn nun wer ist, lädt zum Mitfiebern ein und kulminiert in dem traurigen Ende eines bemitleideten Einzelgängers im realen Leben, der sich virtuell eine wegen ihres Wissens und ihrer Hilfsbereitschaft begehrte und bewunderte Zweitidentität aufgebaut hat, mit deren Enttarnung er nicht leben zu können glaubt.

Prädikat: lesenswert

www.penthesilea-projekt.de von Renate Günzel-Horatz u.a.
Fischer Taschenbuch
Dezember 2004

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