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Mobil mit Stadtmobil

Ich bin ja nun - von jeher - ein eingefleischter Autofahrer. Ich fahre sehr gerne, ich schätze die damit verbundene Bequemlichkeit und Unabhängigkeit, und ich kann mich auch an (neuen) Autos und den damit verbundenen technischen Möglichkeiten erfreuen.

Die Bahn als Verkehrsmittel habe ich erst vor rund 20 Jahren als Pendler entdeckt (und sehe da oft mehr Schatten als Licht); U- und Stadtbahnen nutze ich besonders im Innenstadtbereich natürlich (außerhalb einer Pandemie …) routinemäßig, mit Bussen fremdele ich eher und das Taxi als Verkehrsmittel ist mir auch erst in den letzten Jahrzehnten vertraut geworden (nicht zuletzt durch entsprechende Blogs). Carsharing in der Form von car2go habe ich 2016 kennengelernt (bequem, aber eher keine Zukunft außerhalb eines überschaubaren Bereichs - die Fahrzeuge stehen für Pendler meistens dort, wo alle hinwollen, aber nicht mehr dort, wo man losfahren würde), und diese neumodischen Elektrokleinfahrzeuge (vulgo Roller) halte ich für eine Pest, die weder die Verkehrswende voranbringt noch irgendetwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Dementsprechend nutze ich ShareNow (so heißt car2go jetzt) kaum je, und FreeNow (vormals myTaxi) selten, aber immerhin seit Jahren praktisch ausschließlich anstelle irgendwelcher Taxirufzentralen. Mit Leihrädern kann ich auch nicht viel anfangen.

Was bleibt, ist das konventionelle Carsharing: Mitgliedschaft erforderlich, Fahrzeuge mit festen Standorten, an die man zurückkehren muss - mir in Form des Anbieters Stadmobil seit vielen Jahren über meine Frau bekannt, die alle Jahre wieder mal ein Fahrzeug bucht, wenn das Ziel mit dem Rad zu weit weg und mit dem ÖPNV schlecht zu erreichen ist, oder eine größere Zuladung transportiert werden muss. Mir war das lange Zeit eher suspekt - wie soll sich so etwas finanziell tragen? Und außerdem habe ich eher einen Leihwagen bei einem großen Autovermieter gebucht, wenn ich mal ein Fahrzeug brauchte oder Bedarf an einem Transporter hatte. Wenn man per Bahn oder Flugzeug in einer fremden Stadt ankommt und da längerfristig mobil sein möchte (sonst: Taxi), ist das auch sehr bequem; ansonsten sind die Standorte der Autovermietungen aber doch einigermaßen disloziert und nicht gut zu erreichen. Andererseits sind die Fahrzeuge meistens schick und neu (und, ganz selten, auch einmal seltsam; aber die Erlebnisse rund um Canossa IX mit dem Mietwagen, dessen Navi auf Schwedisch eingestellt war und bei dem man zwar die Displaysprache ändern konnte, ohne eine - nicht vorliegende - CD aber nicht die Ansagesprache, bilden eine eigene Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt werden kann). Insgesamt sind aber auch meine Erfahrungen mit Autovermietungen aus den letzten 15 Jahren überschaubar: 2007 für Canossa IX rund um Hamburg, 2008 ein Transporter für den Umzug, 2010 für eine Tour in den Norden, 2011 für den ersten Urlaub an der Nordsee (Anfahrt mit dem Zug, Mobilität vor Ort über einen für eine Woche gemieteten Leihwagen - ab 2013 dann immer mit dem Auto), irgendwann 2012/2013 als kurzfristiger Ersatz für einen Fahrzeugdefekt (Stoßdämpferbruch) bei der Abfahrt … das dürfte es dann auch gewesen sein, abgesehen von Werkstattersatzfahrzeugen u.a. (so bspw. 2007 an der Ostsee, als ich bei der Abfahrt (!) nach dort in den ersten gemeinsamen Urlaub beim Ausparken in einer Tiefgarage an einem Pfeiler den Spiegel meines Autos auf der Beifahrerseite abgerissen und die Tür eingedellt hatte … seufz).

Seit dem Aufbruch in das moderne automobile Zeitalter Mitte 2013, als ich meinen zu diesem Zeitpunkt mehr als 13 Jahre alten Golf IV (noch mit einem Fahrzeugschlüssel ohne Fernbedienung, weil das um die Jahrtausendwende noch eher ein Gimmick war) gegen den jetzt ausgemusterten Golf VII umgetauscht hatte, gab es an Mietwagen keinen Bedarf mehr. Wenn es einmal ein etwas größeres Auto sein musste (vielleicht ein Kombi, um größere Mengen Papier oder Sperrmüll zum Wertstoffhof zu bringen, und sei es nur, weil ich keine Lust hatte, den Kofferraum auszuräumen und die Rücksitzbank umzuklappen; vielleicht ein Transporter für einen Abstecher zu IKEA, wenn das Bett unter mir zusammengebrochen war - ja, auch das ist eine andere Geschichte, und nein, ich plane nicht, sie zu erzählen), dann wurde es meist ein Stadtmobil - und nachdem ich sehr gerne Auto fahre und ein schlechter Beifahrer bin, wohingegen das bei meiner Frau umgekehrt ist, wurde ich bald als berechtigter Fahrer eingetragen und habe dann unter Aufsicht die Autos gesteuert, die sie gebucht hatte. Gerade die Transporter zeigten sich … gut (ab)genutzt und fuhren auch manchmal etwas schwerfällig (im Gegensatz zu Autovermietungen werden sie eben nicht schnell durchgetauscht), aber das machte mir wenig aus; ich bin und vor allem war es gewohnt, neben meinem eigenen Auto regelmäßig eine Vielzahl anderer Fahrzeuge verschiedenster Art und Größe, mit Schaltung oder Automatikgetriebe, zu fahren, erst bei der Bundeswehr, dann im Katastrophenschutz, Sanitäts- und Rettungsdienst. Und außer Motorrädern, Bussen und Kettenfahrzeugen darf ich auch mehr oder weniger alles fahren, was Räder hat; die Führerscheinklassen 2-5 (alt) machen es möglich.

Anyway, wo war ich? Ach ja, beim Carsharing. Ich hätte mich nie als Carsharing-Nutzer gesehen, aber nachdem mein im Juli bestelltes neues Auto nunmehr (verspätet durch die Chip-Krise) ausgeliefert war, musste ich eine gute Woche für die Ummeldung überbrücken - ich wollte gerne mein bisheriges Kennzeichen behalten, weshalb das alte Auto abgemeldet werden musste, bevor das neue angemeldet werden konnte, und die hiesige Zulassungsstelle braucht dafür ihre Zeit, in der Pandemie noch mehr als sonst. Also musste ich letzte Woche das alte Auto beim Händler in Zahlung geben, und wenn ich zwischendurch mobil bleiben wollte - wie gesagt: proppenvolle Stadtbahnen, deren Benutzer ihre Masken mal mehr, mal weniger korrekt tragen, scheinen mir in diesen Zeiten [tm] keine gute Lösung zu sein -, musste ein Ersatzfahrzeug her. Der Autohändler hätte mir im Grundsatz gerne ein Fahrzeug aus seinen Beständen zur Verfügung gestellt, aber auch da zeigte sich die Chipkrise: das war mangels Fahrzeugen nicht möglich. Also ein Mietwagen … aber das ist auch wieder umständlich, und auch nicht günstig. Andererseits ist ein Stadtmobil-Standort nur ein paar Straßen weiter - und wie ich festgestellt habe, auch bei längerer Miete mehr als konkurrenzfähig. Einen Pkw (Kombi) gibt es für 175,- EUR pro Woche, zzgl. Kilometer; am Ende waren das, alles in allem, rund 210,- EUR. Selbst mit der einmaligen Anmeldegebühr und dem Jahresbeitrag bis Ende 2022 blieb das Angebot mit rund 300,- € unter dem, was Europcar und Co. bei einer Wochenmiete für einen Kleinstwagen aufrufen. Und dabei ist bei Stadtmobil der Kraftstoff im Preis enthalten! Nichts mehr mit “vor dem Abgaben bitte volltanken” …

Also habe ich mich schnell entschlossen online angemeldet, mich später dann in einem Kundencenter des örtlichen Verkehrsunternehmens validieren lassen (Personalausweis und Führerschein), für eine knappe Woche ein Auto gebucht … und das war es dann auch im Prinzip schon. Die zweite Woche, die ich vorsichtshalber reserviert hatte, konnte ich nach der frohen Kunde, mein neues Auto abholen zu können, kostenlos stornieren. Und auch das Fahren ist kein Problem: das Auto mit der Kundenkarte (NFC - vor das Lesegerät halten) oder der App entriegeln, auf Schäden checken, Schlüssel per PIN aus dem Fahrzeugtresor entnehmen, eine Woche lang ganz normal nutzen. Dann wieder an der definierten Station abstellen, Kilometerstand ins Fahrtenbuch, Schlüssel zurück in den Tresor, und (nach dem Ausräumen und einem letzten Kontrollblick) das Fahrzeug mit Karte oder App verschließen, Miete beendet.

Gut - Opel ist jetzt nicht meine bevorzugte Marke, die Fahrzeuge sind … nicht übermotorisiert und von der Ausstattung her auf das Wesentliche beschränkt (keine Sitzheizung, keine automatische Haltebremse, keine oder fast keine Fahrerassistentsysteme), aber sie tun ihren Zweck, und wenn man eigentlich kein Auto braucht und auch keines besitzen will, dann kann man damit ganz gut einzelne Fahrten oder auch einen Urlaub überbrücken (wenn man rechtzeitig bucht). Und auch die Autobesitzer kommen so an Kleinbusse (9-Sitzer) oder Transporter, wenn ein solches Fahrzeug mal benötigt wird. (Es gibt übrigens auch eine Handvoll “Business-Fahrzeuge”. BMW 216d Active Tourer, in neutralem Grau ohne Stadtmobil-Aufschrift und mit den heute eigentlich üblichen Extras versehen. Das ist natürlich auch eine Alternative.) Insgesamt nicht schlecht. Vielleicht bleibe ich Kunde. Mal sehen.

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Wie ich schon vergangene Woche berichtete, bin ich - schon von jeher - ein eingefleischter Autofahrer, und ich freue mich jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn ich ein neues, modernes Automobil fahren kann. Daher ist es eigentlich recht überraschend, wie se

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