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Hallo frisch!

Nun dauern die COVID-19-Pandemie und die seit März 2020 begleitenden Maßnahmen schon mehr als ein Jahr an; mehr als ein Jahr, in dem sogar ich - obschon die weitgehend noch “beleghaften” Abläufe das bei mir nicht besonders leicht machen - einen guten Teil der Zeit (meist 1-3 Tage pro Woche) zuhause im “Home Office” verbracht habe, und meine bessere Hälfte 80% ihrer wöchentlichen Arbeitszeit. Das brachte einige Änderungen mit sich.

Üblicherweise haben wir morgens nur Kaffee oder Tee getrunken, mittags dann in der Kantine (oder ab und an in einem Restaurant) gegessen oder bei einem Bäcker, Metzger oder Imbiss etwas mitgenommen und abends je nach Appetit noch eine Kleinigkeit verspeist; vielleicht belegte Brote oder etwas in der Art. Gekocht wurde dann vor allem am Wochenende.

Das funktionierte in der Pandemie natürlich nicht so; Kantinen waren die meiste Zeit geschlossen, die Gastronomie ähnlich eingeschränkt, und zumindest einer von uns war fast jeden Tag zuhause. Daher haben wir im vergangenen März/April einmal angefangen, Kochboxen von Hello Fresh auszuprobieren.

Das Prinzip ist recht einfach: Man legt fest, für wie viele Tage pro Woche (3-5) man ein Essen für wie viele Personen (2-4) erhalten möchte und wann der Liefertag sein soll - all das lässt sich recht flexibel auch für den kommenden Termin oder grundsätzlich modifizieren. Danach sucht man sich aus einem jede Woche wechselnden Angebot von rund drei Dutzend Gerichten die entsprechende Anzahl aus (wobei der Anbieter jede Woche schon eine Vorauswahl trifft, die man ergänzen, modifizieren oder auch komplett abnwählen kann). Am Liefertag bringt ein Paketdienst dann die Zutaten und Rezepte für die entsprechende Anzahl Mahlzeiten (in unserem Fall in der Regel für vier Essen für je zwei Personen). Die meisten Zutaten sind in Papiertüten für das jeweilige Essen verpackt, so dass alles beieinander ist; nur zu sperrige Zutaten und alles, was gekühlt werden muss, liegt extra im Paket. Kühlpflichtige Waren werden in einer dick gepolsterten Papiertasche versandt, mit einer Vielzahl an Kühlelementen, die schlicht aus gefrorenem Wasser in Plastikverpackung bestehen. Das erlaubt das Papier-Recycling der kompletten Verpackung (Paket, Tüten, Kühlverpackung), und auch der Inhalt der Kühlelemente kann nach dem Auftauen bspw. zum Blumengießen verwendet werden. Nur die Umhüllung der Elemente selbst ist Plastikmüll (und, je nach Rezept, die Portionsverpackungen für bspw. Schmand oder Würzmischungen).

Auch in der Praxis ist das eine sehr schöne Sache - jedenfalls dann, wenn Phantasie und Kocherfahrungen überschaubar sind. Wer ohnehin bereits für jeden Tag der Woche die Mahlzeiten vorplant und ggf. vorkocht, über eine reiche Rezeptauswahl verfügt und systematisch die Zutaten kauft, der wird für weniger Geld vermutlich bessere Qualität bekommen. Für alle anderen bietet sich eine reichhaltige Auswahl an Gerichten, die man sonst vermutlich so nicht gekocht hätte, mit leicht verständlichen Rezepten und (fast) allen Zutaten in der jeweils passenden Menge. Für uns hat das den Speisezettel deutlich bereichert - und die Serviervorschläge und die mitbedachten Garnituren (die man sonst vielleicht nicht eingeplant hätte) führen dazu, dass auch das Auge mitisst.

Es ist kein Poblem, mal ein oder zwei Wochen (bspw.im Urlaub) auszusetzen. Es ist auch kein Problem, den Liefertag zu verschieben oder mal nur drei Essen zu ordern. Es ist erst recht kein Problem, ein oder zwei zusätzliche Essen zu bestellen, wenn es mal besonders viele besonders leckere Angebote gibt. Und es gibt auch die Möglichkeit, verschiedene Nachtische (meist allerdings Fertigprodukte), weitgehend fertige Suppen oder kleine Zusatzgerichte zu ordern.

Hilfreich ist es, wenn am Liefertag jemand zuhause ist (Home-Office!); die Kühlung steht in der Regel auch einen Tag Lieferzeitverzögerung durch, aber ich würde es ungern ausprobieren, eine Lebensmittelsendung mitten im Hochsommer ein oder zwei Tage in der Packstation (oder in der Postfiliale) zu parken.

Ansonsten funktionieren die Abläufe meistens gut. Einigermaßen regelmäßig werden kurzfristig Zutaten ausgetauscht (manchmal hat man den Eindruck, eher nach Verfügbarkeit als nach Passgenauigkeit für das Rezept), wenn sie nicht in ausreichender Menge lieferbar waren; wenn das stört, kann man die entsprechende Zutat aber in der Regel selbst zukaufen. Ab und an (sehr selten) gibt es mal Änderungen am Liefertag; ebenso selten (~ einmal pro Jahr) kommt eine Lieferung einen Tag verspätet oder gar nicht. Auch wird mal (selten, aber doch alle paar Monate) eine Zutat beim Packen vergessen, ganz selten mal auch ein ganzes Gericht. All das ist ärgerlich, besonders, wenn man sich auf besonders viele besonders leckere Mahlzeiten gefreut hat und die Sendung gar nicht kommt, wird aber immerhin ohne jedes Problem mit Gutschriften vergütet. (Man sollte ja eigentlich annehmen, dass es sich um Kinderkrankheiten handelt, die mit der Zeit abgestellt werden, aber Änderungen oder vergessene Zutaten scheinen mehr oder weniger Dauerbrenner zu sein.)

Mit den Rezepten, den verschiedenen Essen und der allgemeinen Qualität bin ich zufrieden; auch der Preis ist vernünftig (8 Portinen pro Woche - vier Essen für je zwei Personen) kommen auf ~ 50 EUR, mal weniger, mal etwas mehr. Wer gerne Fleisch ist, wird aber damit rechnen müssen, dass man beim (Bio-)Metzger des Vertrauens vermutlich bessere Qualität bekommt; das wiederum erscheint mir angesichts des Preises wiederum einigermaßen nachvollziehbar, und bisher war auch alles durchaus lecker.

Für uns sind diese Kochboxen ein Pandemie-Gewinn, und wer bisher nicht regelmäßig täglich plant und kocht - weil eben normalerweise Kantine oder Mensa das Mittagessen liefern - kann das auch ruhig einmal ausprobieren. Übersehen sollte man dabei natürlich nicht, dass beim Versand grundsätzlich mehr Verpackungen anfallen als beim Kauf vor Ort (mögen sie auch vergleichsweise plastikfrei und recycelbar sein), und dass jedes Paket auch transportiert werden muss. Andererseits ist ein Kochpaket, verpackungsmäßig gesehen, überhaupt kein Vergleich zu dem, was passiert, wenn man den Abhol-/Lieferdienst nutzt, den viele Gastronomen aufgrund der monatelangen Schließungen mittlerweile anbieten - eine solche Plastikverpackungsschlacht habe ich bis dato noch nicht erlebt. (Und auch dort, wo Kantinen wieder öffnen, gibt es das Essen oft statt auf einem Teller - oder Tablett - dann stattdessen in Plastikverpackungen, getrennt für Hauptgericht, Salat und Nachtisch, weil der Verzehr vor Ort noch nicht wieder zulässig ist. Der Unterschied macht einen schon bei nur 200 Portionen/Tag ganz schwindelig.)

[Nachträglich veröffentlicht im September 2021.]

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