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Böser, böser Norden

In Anbetracht einiger Blogbeiträge aus den letzten Wochen wird es niemanden wundern, dass ich in den vergangenen Monaten immer wieder einmal den Inhalt des einen oder anderen Humble Bundle angespielt habe. Heute möchte ich über Bad North berichten, ein Echtzeit-Strategiespiel (so die Wikipedia) bzw. ein “minimalistic, real-time tactics roguelite”, also ein minimalistisches Echtzeit-Taktikspiel mit Rogue-ähnlichen Elementen; letzteres hat sich mir noch nicht erschlossen.

Das Spiel wirkt auf den ersten Blick tatsächlich minimalistisch. Die grafische Darstellung ähnelt Strichmännchen, vermittelt aber einen erfreulich soliden Eindruck - nicht comic-artig, sondern … ja, rund, stabil, ich kann es schlecht in Worte fassen. Auf den ersten Blick minimalistisch, auf den zweiten aber gar nicht so sehr.

Diese Beurteilung gilt auch für das Gameplay. Die Aufgabe ist einfach: eine Insel gegen sich auf Schiffen nähernde Nordmänner verteidigen. Und nicht nur eine, sondern viele: ist eine Insel erfolgreich verteidigt, kann man auf einer Karte zur nächsten fortschreiten, wobei der Schwierigkeitsgrad ansteigt. Tricky dabei: es gibt oft mehrere Möglichkeiten, also verschiedene Inseln - insbesondere mit fortschreitender Spielzeit muss man sich aber entscheiden, welche Inseln in welcher Reihenfolge man spielen möchte oder seine Truppen aufteilen, denn während rechts auf der Karte immer neue Inseln sichtbar werden, rückt von links die Welle der Feinde unaufhaltsam näher und macht die Inseln unzugänglich.

Die Karte, mit einer Übersicht der Inseln und mutmaßlichen Invasoren.

Die Verteidigung erfolgt durch Kommandeure mit ihren Truppen, die man vor dem Beginn des Levels auswählen kann; entweder alle, oder man spart sich einige auf, um noch während desselben Zugs eine zweite Insel zu spielen. Die Karte zeigt den Grundriss mit Anhöhen, die in der Regel nur an ein oder zwei Punkten zugänglich sind und sich daher leichter verteidigen lassen, und Gebäuden, die man verteidigen sollte, weil man so - je nach ihrer Größe - Gold erhält. Gelingt es den Angreifern, ein Gebäude zu brandschatzen, gibt es dementsprechend für dieses Gebäude nichts. Die zu erwartenden Typen der Angreifer - z.B. normale Fußtruppen, Bogenschützen, Truppen mit Schilden (die Pfeile abwehren können) und besonders starke Berserker - werden durch Icons dargestellt.

Unsere Insel. Am linken Rand die zur Verfügung stehenden Anführer mit ihren Truppen.

Seine Kommandeure und Truppen kann man mit dem erhaltenen Gold spezialisieren und verbessern. Aus Fußtruppen können Nahkämpfer mit Schilden (gegen Bogenschützen) werden, die als (zukaufbare) Spezialfähigkeit von einer Anhöhe auf den Feind herabspringen können; oder Bogenschützen (Spezialfähigkeit: Pfeilhagel auf eine bestimmte Stelle der Karte); oder Lanzenkämpfer, die den Feind mit ihren Lanzen auf Abstand halten können (Spezialfähigkeiot: Sturmangriff), dafür aber in der Bewegung wehrlos sind. Auch die Kommandeure können ihre Fähigkeiten verbessern, bspw. mehr Truppen kommandieren, doch alles kostet Geld.

Blitze zucken. Die Truppen sind gewählt und gesetzt.

Hat man sich für eine Karte und für Kommandeure entschieden, erscheinen die eigenen Truppen - jeweils mit einer Fahne in den Farben ihres Kommandeurs - auf der von Blitzen durchzuckten Insel und lassen sich jetzt zu den gewünschten Positionen schicken. Kurz darauf kündigen Hörner die ersten anrückenden Schiffe der Nordmänner an. Der Kampf beginnt!

Wird eine eigene Truppe dezimiert, bleibt aber zumindest der fahnenschwenkende Kommandeur übrig, kann man sie in eines der Häuser zurückziehen und neu aufbauen. Nach Ablauf eines Timers kehren sie dann in den Kampf zurück. Wird die komplette Truppe dezimiert, stirbt der Kommandeur und steht dauerhaft nicht mehr zur Verfügung. Ansonsten sind die Truppen für den nächsten Level wieder aufgefüllt.

Die Schiffe sind gelandet, der Kampf beginnt.

Das Spiel wirkt simpel, ist aber sehr taktisch - man muß gut auswählen, welche Kommandeure und welche Truppen man einsetzt, wie man sie verbessert, wo man kämpft. Es hilft nichts, sich auf nur eine Taktik zu verlassen. So habe ich meine Lanzentruppe viele Level lang schlicht an den Zugang zur Anhöhe postiert - aufgrund der Lanzen können so Angreifer erreichen, ohne selbst verletzt zu werden - und so mühelos und ohne Einsatz weiterer Truppen gewonnen. Als mir dann bewusst wurde, dass ich auf diese Weise (durch das fehlende Aufteilen der Truppen) Inseln “verschenkt” habe und die ersten Inseln ohne Anhöhen auftauchten, wurde mir klar, dass das eine gute Idee, aber ein Irrweg war …

Kurzum: hübsch anzusehen, simple, sofort erlernbare Spielmechanik, aber durchaus taktischer Tiefgang. Empfehlenswert!

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Niflheim ist ein Ort aus der nordischen Mythologie, Niffelheim ist eine Art CRPG und in jeder Hinsicht das Gegenteil zu Bad North, von dem ich zuvor berichtete: die Grafik wirkt auf den ersten Blick opulent, die Spielmöglichkeiten reichhaltig und divers -

Kommentare

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onli am :

onli

Das Spiel war auch in Jörg Langers Coronaspieleauswahl und klang wirklich interessant, https://www.gamersglobal.de/video/joergs-corona-spiele-lockdown-zeitfresser. Leider ein Bundle das ich verpasst habe.

Thomas Hühn am :

Thomas Hühn

Auf iOS war es leider völlig instabil, die vierte Insel (IIRC) konnte ich reproduzierbar nicht betreten -> Absturz. Auf zwei Geräten.

Naja, die Kaufpreiserstattung war immerhin problemlos.

Thomas Hühn am :

Thomas Hühn

Ach übrigens, mein absolutes Suchtspiel (nachdem ich es auch als Brettspiel habe): Through the Ages

Thomas Hochstein am :

Thomas Hochstein

Auf iOS war es leider völlig instabil, die vierte Insel (IIRC) konnte ich reproduzierbar nicht betreten.

Schade. Aber hast Du keinen Laptop oder Desktop mehr, auf dem Du so etwas spielen kannst?

Thomas Hühn am :

Thomas Hühn

Naja, schon, aber das war so ein Spontankauf, als es mal im Angebot war. Und auf dem PC habe ich soooo viele Spiele, die ich noch nichtmal angespielt habe. Und auf derXbox siehts ähnlich aus.

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