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Zeitumstellung im Wandel der Zeiten

Der Wechsel von Sommer- auf Winterzeit (oder, wie Sprachpuristen sagen: “Normalzeit”) ist angenehmer als der umgekehrte Wechsel im Frühjahr, bekommt man die “gestohlene” Stunde doch wieder zurück und kann länger schlafen. Für die Technik hingegen ist diese Umstellung potentiell anspruchsvoller: springen die Uhren im Frühjahr einfach von 1.59 Uhr direkt auf 3 Uhr weiter, schließt sich im Herbst an 2.59 Uhr (A) wieder 2.00 Uhr (B) an, es gibt also eine Stunde lang “doppelte” Uhrzeiten und die Zeit läuft scheinbar “rückwärts”, was für Zeitstempel und Sortierungen durchaus “interessante” Folgen haben kann. Der kluge Mensch sieht jedenfalls auf Maschinen, die auf “Lokalzeit” laufen, grundsätzlich keine Cronjobs oder andere zeitgesteuerte Aufgaben zwischen 2 Uhr und 3 Uhr vor: es hilft ja nur begrenzt, wenn das im Frühjahr ausgefallene Backup dafür im Herbst doppelt erfolgt.

Ungeachtet dessen steht der “Normalbürger” zweimal im Jahr vor allem vor der Aufgabe, im Haushalt und anderswo alle Uhren vor- oder zurückzustellen. Und das ist - trotz tendentiell deutlich mehr Uhren bzw. Zeitanzeigen, auch in verschiedensten technischen Geräten - in den letzten Jahr(zehnt)en glücklicherweise doch deutlich weniger aufwendig geworden.

In früheren Zeiten[tm] war eine Vielzahl von Uhren noch von Hand umzustellen: die Armbanduhr, die Küchenuhr (im Herd oder Backofen), der Videorekorder (und Radios und Stereoanlagen), die Uhr im Auto, das Handy, Wecker und Wanduhren (soweit nicht schon Funkuhren) und was der technischen Geräte mit Zeitanzeige so mehr sind. Am besten legte man sich eine Checkliste zurecht, um keine Uhr zu vergessen - und natürlich war das Interface für die Umstellung bei jedem Gerät anders. Mal war hier länger zu drücken, mal dort eine Tastenkombination oder eine versenkte Taste zu bedienen, und dann konnte man bestenfalls jede Stelle einzeln einstellen (oder wenigstens Stunden und Minuten getrennt vor- und rückwärts laufen lassen), schlimmstenfalls aber galt (wie nach 40 Jahren DDR): “Vorwärts immer, rückwärts nimmer!”, und man durfte die Uhr im Herbst 23 Stunden vor- statt eine Stunde zurückstellen.

Heute sind fast alle diese Geräte entweder mit Funkuhren ausgestattet oder synchronisieren ihre Zeit über das (ubiquitäre) Netz - oder die Zeit ist über sie schlicht hinweggegangen, so dass es die Geräte mitsamt Uhren schlicht nicht mehr gibt.

Diese Form der Automatisierung betrifft dabei nicht nur alle Computer im engeren oder weiteren Sinne, sondern alles, was eine Uhrzeit anzeigen kann (oder verwendet). Die Armband, das Handy, die Uhr im Auto: alles Funkuhren oder synchronisiert über das Netz. Tablets und Fitnesstracker (und Festnetz-Telefone, was heute ja in der Regel DECT bedeutet): dito. “Videorekorder” gibt es nicht mehr; Aufnahmegeräte mit vergleichbarer Funktionalität synchronisieren ihre Zeit selbständig, soweit sie überhaupt noch zeitgesteuert aufnehmen und nicht programmgesteuert. Radios und Stereoanlagen sterben ebenfalls aus (und wo es sie gibt, wird die Uhr in der Regel schlicht nicht mehr genutzt und daher auch nicht gestellt, weil es genügend andere Zeitanzeigen gibt; das gilt übrigens auch für die Uhr der hiesigen Kaffeemaschine). Wecker- und Wanduhren sind (mit jeweils einer Ausnahme) Funkuhren oder ziehen ihre Zeit aus dem Netz. Bleiben noch zwei “historisch gewachsene” Uhren im Bad, die aber (der Einfachheit halber) beide unterschiedliche Zeitzonen anzeigen (einmal Sommer-, einmal Winterzeit), so dass sie schlicht nicht umgestellt werden müssen (zumeist kennt man ja auch die Stunde - oder nimmt im Zweifel an, eine Stunde später dran zu sein als geplant). ;-)

Statt umfangreicher Checklisten und einer Wanderung durch Haus und Garage wird man also einfach zur richtigen Zeit geweckt und muss nur in geringem Umfang nacharbeiten. Immerhin.

Die gerne diskutierte Frage, ob die zweimal jährliche Zeitumstellung sinnvoll oder zukunftsfähig sei, ist damit freilich noch nicht beantwortet …

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