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Komfort-Check-in bei der Bahn

Meine letzte Bahnfahrt hatte einige Schwierigkeiten - auf der Hinfahrt fuhr der Zug wegen Bauarbeiten eine andere Strecke und daher vor allem für mich rückwärts, außerdem endete er vor dem geplanten Endbahnhof; auf der Rückfahrt gab es Störungen und Verzögerungen und am Ende 20-25 Minuten Ankunftsverspätung -, verlief aber im großen und ganzen angenehm.

Außerdem durfte ich im “DB-Navigator” auf dem Smartphone ein neues Feature kennenlernen, dessen Vorteile sich mir - ehrlich gesagt - auf Anhieb nicht ganz erschlossen haben: den “Komfort Check-in” (ja, die Bahn spart sich, ganz modern, den erforderlichen Bindestrich).

Screenshot von der Webseite der Deutschen Bahn.

Verfügt man als Bahnreisender über ein Handy-Ticket (das man heutzutage automatisch zum Online-Ticket in PDF-Form dazuerhält) und eine Sitzplatzreservierung, dann kann man - bisher nur auf einigen Testverbindungen - nach dem Erreichen des Sitzplatzes elektronisch “einchecken”. Die Fahrkarte wird damit entwertet, und die Zugbegleiter sollen die Information auf ihr mobiles Terminal erhalten, dass die Fahrkarte nicht mehr kontrolliert werden muss.

So weit, so gut - nur sehe ich den Gewinn noch nicht so recht. Als Fahrgast habe ich zwar nur wenig Aufwand, aber auch wenig Gewinn: ich spare mir die Fahrkartenkontrolle, aber die ist (dank Handy-Ticket) wenig aufwendig. Auch die Zugbegleiter sparen sich eine Kontrolle, müssen dafür aber im Prinzip an jedem Sitzplatz auf ihrem Terminal checken, ob der Fahrgast sich schon selbst eingecheckt hat - das kann eigentlich kaum weniger aufwendig sein als die Fahrkartenkontrolle. Im Gegensatz dazu gibt es haufenweise Potential für technische Probleme (fehlende Internetverbindung des Smartphones hindert das Einchecken, fehlende Internetverbindung des mobilen Terminals hindert das Update, dass der Fahrgast sich eingecheckt hat) und vor allem menschliches Versagen, erfordert die richtige Funktionalität doch, dass der Fahrgast auf genau seinem reservierten Platz sitzt, wenn er sich eincheckt. Checkt er ein, obwohl er woanders (oder gar in einem anderen Zug) sitzt, tritt potential Chaos ein - und das bei dem hohen Maß an technischen und anderen Störungen, die Bahnfahrten heutzutage eigen ist, und der ohnehin oft schon bestehenden Überforderung von Wenigfahrern, die mit dem Finden des richtigen Wagens und Platzes, der Unterscheidung der 1. und 2. Wagenklasse, dem Erkennen von Reservierungen oder dem Öffnen von Türen nicht selten schon überfordert sind. Und was ist mit der Kontrolle der BahnCard? Unterbleibt die dann ganz?

Kurz und gut: mir scheinen Aufwand und Fehleranfälligkeit in keinem guten Verhältnis zu stehen.

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