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Versionierung von Webseiten

Bei der Überschrift “Versionierung von Webseiten” könnte man annehmen, dass es in diesem Beitrag um Versionsverwaltungssysteme wie git, SVN, und Co. gehen wird, mit denen eben die Dateien, die eine Website ausmachen, verwaltet werden. Doch dem ist nicht so; ich bin vielmehr dieser Tage auf eine interessante Variante gestoßen, alte Versionen (und vor allem Inhalte) einer Webpräsenz online verfügbar zu halten.

Cool URIs don’t change

“Linkrot” ist eine ständig weiter um sich greifende Pest: zunehmend verschwinden Inhalte aus dem Netz - nicht nur, weil eine Webpräsenz oder ein Blog ganz aufgegeben wird oder sich jemand aus dem WWW zurückzieht, sondern auch, weil ein “Relaunch” erfolgt, eine Webpräsenz also technisch, optisch oder organisatorisch runderneut oder ein Blog auf eine neue Software umgestellt wird, oder weil (insbesondere bei Blogs) ein inhaltlicher Schnitt gemacht und thematisch neu begonnen werden soll. Bedauerlicherweise gehen dann Links auf die bisherigen Inhalte ins Leere - das widerspricht dem Urpinzip des Webs, das ein Hypertext-System darstellt, wie sich schon aus den Bezeichnungen “Hypertext Markup Language” (HTML) oder “World Wide Web” ergibt, und davon lebt, dass Inhalte miteinander verknüpft (und nicht kopiert) werden.

Schon 1998 veröffentlichte Sir Tim Berners-Lee, der “Vater” des Webs, den Aufsatz Cool URIs don’t change, der - mit Ausnahme technischer Implementationsdetails - auch heute noch Geltung hat: Netzadressen sollten so permanent wie nur möglich sein.

Ich habe mich bemüht, das umzusetzen; seit über 20 Jahren setze ich bei jeder Änderung meiner Homepage Redirects von der alten auf die neue Struktur, soweit das irgendwie möglich ist. Ich halte sogar weiterhin einen seit 2005 ungenutzten Account bei inka.de, weil meine Seiten bis Ende 2004 dort lagen und th-h.de nur als Forwarder agierte, so dass verschiedene Links (insbesondere auf alte FAQs und vergleichbare Texte) noch nach dort zeigen. Auch beim Wechsel meines Blogsystem von Sunlog zu Serendipity habe ich nicht nur die Beiträge übernommen, sondern auch durch einen speziellen Forwarder dafür gesorgt, dass auch die meisten alten Links noch funktionieren.

Auf der einen Seite erfüllt das seinen Zweck, auf der anderen Seite wäre es natürlich auch manchmal nett, sich - quasi museal - noch einmal frühere Versionen der Seiten (mit dem alten Design, Theme oder Template, mit der alten Struktur) anschauen und in die Vergangenheit abtauchen zu können. Da kann ich nur mit Screenshots jeweils der Startseite dienen, die einen gewissen Eindruck vermittelt, aber nicht das komplette “Feeling”.

Manches geht über die Wayback Machine des Internet Archive, die man nicht genug loben kann. Manche lassen ihr altes Blog - meistens sind es Blogs und keine ganzen Websites - einfach komplett online und fangen unter einer neuen Domain oder Subdomain neu an.

Versionierung über die Subdomain

Erstmals bin ich jetzt - und damit schaffe ich hoffentlich den Bogen zurück zur Einleitung - auf eine systematische Versionierung gestoßen. Chris Krycho stellt sein aktuelles Blog / seine aktuelle Website unter der URL https://v5.chriskrycho.com/ online. Und wie der Name schon andeutet: die Vorversionen sind (weitgehend) unter https://v4.chriskrycho.com/, https://v2.chriskrycho.com/ und https://v1.chriskrycho.com/ verfügbar. Weil die “Versionsnummer” von Anfang an Teil der URL ist, bleiben alle Links valide, auch wenn später einmal “v8” die aktuelle Version sein wird.

Diese Vorgehensweise hat einerseits - technisch gesehen - Charme. Andererseits ist sie mir, fürchte ich, zu technisch; ich schätze gut gewählte, passende Namen, und wenn ich mein Blog “Sympolymathesy” genannte hätte, dann würde ich auch als URL sympolymathesy.chriskrycho.com haben wollen. Dennoch: eine Variante, über die man nachdenken kann.

Am wichtigsten aber ist: wenn man Content online bringt, den andere verlinken oder den Google findet, dann sollte man nach Möglichkeit dafür sorgen, dass dieser Content auch verfügbar bleibt, so lange das möglich ist.

Titelbild © jro-grafik - stock.adobe.com

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Kommentare

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Thomas Hühn am :

Thomas Hühn

Wie wäre es mit www.doma.in/?ver=2 oder www.doma.in/#v2?

Thomas Hochstein am :

Thomas Hochstein

Wie wäre es mit www.doma.in/?ver=2 oder www.doma.in/#v2?

Vermutlich würde ich dann - schon aus technischen Gründen - die Versionierung im Hostname vorziehen.

Christian am :

Christian

Ich verstehe deinen Punkt und dein Anliegen. Was Du aber nicht erwähnst ist die Sicherheit: Auf meinem Server eine 10 Jahre alte Blog Installation mitzuschleppen ist ja auch keine Option. Die Versionierung fände ich super, wenn gleichzeitig brauchbare Tools zur Verfügung ständen, die dynamische Seiten zuverlässig in statisches HTML verwandeln. Meine letzte Suche ist Jahre her, war aber auch nicht erfolgreich.

Grüße! Christian

Thomas Hochstein am :

Thomas Hochstein

Ich habe mit HTTrack eigentlich gute Erfahrungen gemacht.

mitch am :

mitch

„Cool URIs don‘t change“ versuche ich auch. Mein Apache hat eine RewriteMap konfiguriert, die alle Artikel aus dem Vorgänger-Blogsystem auf die neuen URLs in meinem s9y mappt. Ich hatte damals in 2007 ein Import-Skript von poster nach s9y zusammengehackt und ca. 500 Artikel aus 3 Jahren übernommen (damals habe zwar mehr geschrieben, aber im Rückblick erscheint es mir nur bedingt aufhebenswert).

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